Nur wenige sorgfältig gewählte Worte benötigt Milena Michiko Flašar, um ihre Figuren zum Leben zu erwecken, nur wenige Szenen, um ganze Schicksale zu erzählen.
Ein junger Mann verlässt sein Zimmer, in dem er offenbar lange Zeit eingeschlossen war, tastet sich durch eine fremde Welt. Eine Bank im Park wird ihm Zuflucht und Behausung, dort öffnet er die Augen, beginnt zu sprechen und teilt mit einem wildfremden Menschen seine Erinnerungen. Der andere ist viele Jahre älter, ein im Büro angestellter Salaryman wie Tausende. Er erzählt seinerseits, über Tage und Wochen hinweg, Szenen eines Lebens voller Furcht und Ohnmacht, Hoffnung und Glück.
Beide sind Außenseiter, die dem Leistungsdruck nicht standhalten, die allein in der Verweigerung aktiv werden. Aus der Erfahrung, dass Zuneigung in Nahrung verpackt, Trauer im Lachen verborgen werden kann und Freundschaften möglich sind, stärken sie sich für einen endgültigen Abschied und einen Anfang.
Milena Michiko Flašar macht eine Parkbank zur Bühne, zu einem huis clos unter freiem Himmel. Die Bank befindet sich in Japan und könnte doch ebenso gut anderswo in der westlichen Welt stehen. Dieser Roman stellt der Angst vor allem, was aus der Norm fällt, die Möglichkeit von Nähe entgegen sowie die anarchische Kraft der Verweigerung.
Verlag Klaus Wagenbach
Erscheint am 31. Januar 2012
Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
ISBN-10: 380313241X
ISBN-13: 978-3803132413
Pressestimmen
Ohne plakativ zu werden, erzählt das Buch in glasklarer Sprache von Lebenslügen, Herzbrüchen und von Affären mit einer Geliebten namens Illusion. Mit Ich nannte ihn Krawatte legt die Autorin einen auch formal erstaunlich reifen Roman vor.
(Stefan Gmünder, Der Standard)
Ich nannte ihn Krawatte verbreitet eine beckettsche Grundstimmung (…). Die Stärke des Textes liegt dort, wo kaum etwas geschieht, wo beobachtet und die Szenerie geschildert wird. In der Verhaltenheit liegt die ganze Kunst des Buches.
(Harald Klauhs, Die Presse)
Ruhig fließend steuert der Roman auf Dramen zu. Ist er am Ziel angelangt, will man jeden berühren, solange er noch unter uns ist. Und alle, alle möchte man umarmen – inklusive Milena Michiko Flašar, die wie „ihr“ Hikikomori aus dem Schatten gesprungen ist.
(Peter Pisa, Kurier)
Die Sprache Flašars ist so klar und von magischer Ruhe getragen, als ginge es darum, den großen Klassikern der japanischen Literatur des 20. Jahrhunderts, Yasushi Inoue oder Yasunari Kawabata, Referenz zu erweisen.
(Sebastian Hammelehle, Spiegel Online)
Milena Michiko Flašars Bücher sind von einer wunderschönen poetischen Traurigkeit. War es in „Okaasan“ das Sterben der Mutter, so ist es in diesem Roman die schaurige Beklemmung, die aus der Begegnung der beiden Männer entsteht.
(Wolfgang Kühn, magzin)
Die Geschichte wird mit einer so ruhigen und poetischen Sprache erzählt, dass sie den Leser von Anfang an fesselt.
(Gesa Müller, 1Live Magazin)
Totale Verweigerung, Familiengeheimnisse und Gesellschaftsdruck. Das Buch Ich nannte ihn Krawatte ist ein berührendes und wichtiges Meisterwerk.
(Andreas Gstettner, fm4)
Milena Michiko Flašar schreibt in poetischen, kurzen Sätzen, die wie Glasmurmeln in ihrem Innern noch einen andersfarbigen, schillernden Kern haben. Die Autorin besitzt ein wunderbares Gespür für Dosierung und Rhythmus, die kompositorische Strenge des Romans dient als Gerüst, das auch große Gefühle trägt.
(Britta Heidemann, Der Westen)
113 Kapitel beziehungsweise Strophen hat diese zarte, zerbrechliche Geschichte voller wunderschöner Bilder. Bei allem Schmerz der traurigen Erinnerungen zeigt uns Milena Michiko Flašar darin die Schönheiten dieses Lebens, die in den modernen Gesellschaften mehr und mehr in Vergessenheit geraten – und kreiert so eine zutiefst menschliche, wünschenswerte Welt, in der es auch für die Hikikomori wieder einen Sinn ergibt, das Leben leben zu wollen.
(Jan Ehlert, NDR)
Eine starke Autorin, ein großes Versprechen.
(Günter Kaindlstorfer, Ö1 Ex Libris)
Ein knapper, hypnotisch wirkender Text. Preisverdächtig.
(Marion Quandt, WDR)
Die Erzählung dieser beiden am Leben verzweifelten Menschen ist auch empfehlenswert, weil wir diskret aufgefordert werden, wieder richtig hinzuschauen und hinzuhören, vor allem aber, weil sie aus einem Guss und stilistisch schlicht und ansehnlich ist und weil sie zwischen Vorstellung, Idee und Wirklichkeit immer die Waage hält.
(Peter Urban-Halle, Deutschlandradio Kultur)
Ein kleines, kluges Buch.
(Katinka Oppeck, Annabelle)
Der Autorin Milena Michiko Flašar ist es mit ihrem Roman überaus gut gelungen, einzig durch die Erzählungen der beiden Männer eine Gesellschaftskritik zu formulieren.
(Buchhandlung ChickLit)
Was die Faszination dieser Geschichte ausmacht, ist die Entwicklung, die die beiden Männer nehmen. (…) Man spürt, Milena Michiko Flašar will viel. Ihr gelingt aber auch einiges: vor allem ein sehr eigener, sehr ruhiger Ton. Und: Die Geschichte lebt von zwei sehr starken Charakteren und den eindringlichen Nahaufnahmen der japanischen Gesellschaft.
(Astrid Mayerle, Bayerischer Rundfunk)
Milena Michiko Flašar schildert eindrucksvoll die Verlorenheit des Einzelnen im heutigen Japan. (…) Wie sie diese beiden Menschen einander sich nähern lässt, ist von großer Zartheit.
(Anja Hirsch, FAZ)
Milena Michiko Flašar hat sich schwerer, drängender Themen angenommen und sie in ein literarisches, sprachlich fein gearbeitetes Werk übersetzt, in dem selbst noch ein beschreibender, verhalten poetischer Satz wie: „Der Schlüssel griff mürbe ins Schloss“ die bis ins Mark gehende Müdigkeit und Melancholie seiner Helden widerspiegelt.
(Meinolf Reul, satt.org)
Ich nannte ihn Krawatte ist (…) die schonungslose Beichte zweier Alleingelassener. (…) Gänsehaut! Großer Text.
(Jan Drees, 1Live Magazin)
Milena Michiko Flašar erzählt auch in ihrem dritten Buch sprachlich souverän von den Schwierigkeiten des Kommunizierens. (…) Das geschieht ohne Pathos, sondern mit poetischer Präzision. (…) Manchmal erinnern Flašars bilderstarke, aber nie plakative Schilderungen an die subtilen Mangas von Taniguchi Jiro.
(Walter Titz, Kleine Zeitung)
Inmitten einer Welt der Kälte (…) bilden Flašars sympathische Antihelden kleine Inseln der Humanität. Sie schaffen eine Atmosphäre der Hoffnung, die sich nicht anbiedert, sondern couragiert (…) auf eine Zukunft verweist, in welcher der Einzelne nicht mehr auf seinen Marktwert reduziert wird (…). Der jungen Autorin (…) gelingt dabei das Kunststück, dieser Zuversicht Rückenwind zu verleihen. Ein Grund mehr, sich in die Lektüre dieses über nationale Befindlichkeiten und Philologien hinausweisenden Globalisierungsromans zu vertiefen.
(Walter Wagner, Buchmagazin des Literaturhauses Wien)
Der Grundton bleibt der einer großen Beklemmung, literarisch aber aufgelöst durch einen großen poetischen Zauber (…), der sich durch einen unglaublich liebevollen Blick auf die Wesentlichkeit der kleinen Dinge ausdrückt. (…) Die Autorin spielt wunderbar mit Beobachtungen der Protagonisten während ihrer Gespräche, Wahrnehmungen aus dem Augenwinkel, die aber urplötzlich für die Handlung bedeutsam werden. (…)Flašar zeigt, dass sie auf einer nuancenreichen Sprachklaviatur spielt (…) und daraus entwickelt sich diese Grundstimmung aus Schönheit und Traurigkeit, die diesem Buch einen im positiven Sinne eigenartigen Klang gibt.
(Martin Maria Schwarz, Hessischer Rundfunk)