Pressestimmen zu [Ich bin]
Seit Tagen brennen die Wörter
"Seit Tagen brennen die Wörter" - ein starker Einstieg, den Milena Michiko Flašar in ihrem Roman-Erstling bietet. Und dieser ist symptomatisch für das ganze Buch. Flašar spielt mit der Sprache, kreiert Wortbilder, wird philosophisch, dann ist ihr Stil wieder von einer klaren Härte, die wehtut - eben so, wie die beschriebene Beziehung der Protagonistin weh tat. In einen "Jäger des Augenblicks" verliebt sich Flasars Ich-Erzählerin in der ersten, der eindringlichsten von drei Erzählungen. Einen, dem sie anbietet: "Ich bin alles, was du willst", der sie in eine "Hölle von Unverbindlichkeiten" bringt und der sie "mein blaues Mädchen" nennt, zu seiner Geliebten macht und doch nicht so ernst nimmt, wie sie es begehrt. In den Bruchstücken der Vergangenheit, die Flašar heraufbeschwört, hervorgezogen aus den drei Kisten, die ihr blieben, wird klar: Hier hat sich eine aufgegeben, einem anderen ganz hingegeben, der doch nur mit ihr gespielt hat. Das Erzählen der Protagonistin ist Bericht und Selbst-Therapie zugleich. Wie der Mann, den sie Srecko nennt, seine Freiheit behalten will, wie ein Aufenthalt im Ausland die beiden wieder enger aneinander bindet, wie die Beziehung schließlich zerbricht - es sind gängige Themen, doch Flašar hat einen ganz eigenen, besonderen Stil dafür gefunden. "Wir hatten den Ehrgeiz auf eine Jahrhundertliebe. In der elften Stunde aber fragten wir uns: Wozu? Und in der zwölften gab es schon gar keine Rettung mehr." Auch die beiden weiteren Geschichten erzählen von schwierigen Beziehungen, in denen man ebenso aufblühen kann wie sich eingeengt fühlen. Ein starkes Debüt, auf dessen Sprachspiele man sich einlassen sollte.
(Theresa Steininger, kulturwoche.at)
Die Liebe: sie kommt und geht!
Leicht, schwebend und fast unnahbar beschreibt die Autorin in assoziativer Weise eine große Liebe. Srecko ist der Mann, in dessen Hände die „Laura“ genannte Icherzählerin ihr ganzes gläubiges Liebesleben gelegt hat. Nun geht diese Liebe zu Ende.
Die beiden Liebenden leben an entfernten Orten, Berlin und Wien, und schreiben sich Briefe, telefonieren, leben aber auch zeitweise zusammen. Mehr gleicht die Icherzählerin einer Unbekannten, als dass man sie in der Person der Laura erkennt. Sie spricht in Gedanken mit ihrem Liebsten. Gefühle und Erinnerungen, Zorn, Liebe und Zuwendung verschmelzen zu einem Bild, das die ganze Ambivalenz der Liebe zeigt.
Drei Geschichten fügen sich hier zusammen, und immer bleibt es bei dem Thema: Wie und was ist die Liebe, wie endet sie, und was passiert zwischen zwei Menschen, die sich lieben? Welche Erwartungen stellt einer an den anderen, und wie soll man dieser genügen? Wie vergänglich sind Augenblicke, gemeinsam verbrachte Zeit, Erinnerungen oder Liebesschwüre?
Es geht in den einzelnen Kapiteln um die Liebe zwischen Mann und Frau, um Bruder und Schwester und um die Liebe zwischen Freundinnen.
Die zarte Sprache und die angedeuteten Empfindungen, zeitweise leicht surreal anmutend, verweisen auf eine empfindsame Seele und auf vergeistigte Gefühlswelten, in denen man die reale Welt zuweilen vergeblich sucht. Und doch gibt es Bahnhöfe, Flughäfen und reale Abschiede als Symbole der Flüchtigkeit. Reflexionen über Augenblicke und Landschaften, über Begegnungen und tiefe Liebesgefühle verdichten sich zu gelebtem Leben, das der Vergänglichkeit zum Opfer gefallen ist. Gegenstände fallen genauso der Wandelbarkeit zum Opfer wie Gefühle. „Aber ist das ein Trost? Kann irgendjemand von sich behaupten, er finde Trost in dem ewig Wandelbaren und bleibe unberührt von den Spuren, die es kratzt, und den Wunden, die es blutet?“ ( S. 115).
Poetisch, feinsinnig, hell und äußerst sensibel sind diese Betrachtungen um das Liebesleben und die Flüchtigkeit des Seins. Das kleine Büchlein ist broschiert und liest sich schnell und im Vorbeigehen. Es bleibt gelegentlich der Eindruck von leicht exzentrischen Figuren, die sich im Zustand der Schwerelosigkeit befinden.
Insgesamt handelt es sich um kleine, aber feine poetische Betrachtungen!
Diese erste Buchveröffentlichung der jungen Autorin Milena Michiko Flasar ist durchaus entdeckenswert.
(Claudine Borries, literature.de)
Lange Abschiede
[Ich bin] ist ein beeindruckendes Prosadebüt, […] von großer sprachlicher Kraft und voll von intensiven poetischen Bildern.
(Bruno Lässer)
Poetisch und kraftvoll
Weich klingt ihre Stimme, fast samtig: „Die Liebe ist ein Brennpunkt, in dem sich alle Themen
sammeln“, sagt Milena Michiko Flašar. In ihrem Erstlingswerk „[Ich bin]“ geht es um das älteste Sujet der Welt – um Liebende und die Vergänglichkeit von Gefühlen. Aber sie nähert sich ihm, als hätte es niemand vor ihr getan. Der Blick der Autorin ist dabei distanziert, die Sprache poetisch fragmentarisch, doch man wird in die melancholischen Momente mit Wucht hineingezogen. Nur weniges ist autobiografisch und während für ihre Protagonisten das Schreiben eine Qual ist, meint die 29-Jährige mit österreichischen (geboren in St. Pölten), tschechischen und japanischen Wurzeln: „Für mich ist Schreiben Genuss, es hat fast etwas Ekstatisches.“ Nach ihrem Germanistik- und Romanistik-Studium in Wien und Berlin hat sie zwar Deutsch als Fremdsprache unterrichtet, aber schnell gemerkt, dass „nur beim Schreiben mein Herz zu einhundert Prozent involviert ist“. Das spürt man.
(Madame)
Achterbahn Liebe
Liebe ist alles: Sehnsucht, Warten, Hoffen, Enttäuschung, höchstes Glück und tiefster Schmerz, Bitterkeit und Süße, zuletzt manchmal auch Hass. Milena Michiko Flašars Figuren beschreiben die Achterbahn der Gefühle so magisch, dass man denken könnte, die Autorin hätte alles selbst erlebt und erlitten. [Ich bin] ist ein stilistisch äußerst eigenwilliges, bemerkenswert gutes Debüt, das sich sprachlich wohltuend von anderen Büchern gleichen Genres abhebt. Außerdem stößt man oft auf Sätze von ungewöhnlicher Weisheit und Eindringlichkeit.
(Zeitbühne)
Eine junge Frau blickt auf ihre leidenschaftliche Liebesbeziehung zurück
Die Differenziertheit, Zartheit und Intensität, mit der die junge Autorin die „universellen" Probleme zwischen Mann und Frau beschreibt, sucht ihresgleichen. Milena Michiko Flašar schlägt einen in der zeitgenössischen Literatur schon lange nicht gehörten Ton an, der auch das Pathos nicht scheut und dennoch niemals kitschig klingt. Ein Buch, das sowohl inhaltlich als auch formal überzeugt.
(biblio)
Jahrhundertliebe
Drei Erzählungen – Im Zeichen des Feuers, Ništa, Ništa oder die Puppenspielerin und Go Far West, eine Reise in Abhängigkeiten - künden von der Schwierigkeit tief zu empfinden, zu lieben, Abschied zu nehmen oder sich zu lösen und zu gehen.
Milena Michiko Flašar schreibt ihren Debütroman über Beziehungen; Liebesbeziehungen zum Bruder, Geliebten und Freund. Das Schreiben ist ihr ein Anliegen, sie entwirft Gedanken und Situationen aus der Ich-Perspektive. Einfühlsam ist ihre Sprache, reich an Bildern und Philosophie. Sie probiert nicht nur den Klang der Sprache sondern auch die Wirkung einzelner unüblicher Wörter im semantischen Satzgefüge. „Ein Jahr lang schon liegen die Wörter auf meinem Seelengrund. Haben gewartet. Oder sich verweigert, und so gibt es auch jetzt noch ein Misstrauen zwischen ihnen und mir.“ Als Germanistin weiß sie um die Bedeutungsvielfalt und Gebrechlichkeit der Sprache. Sie hört hinein und eine neue Welt ergibt sich. Trägt sie auch noch selber ihre Texte vor, wie bei der Residenz-Verlags-Lesung im Oktober 2008, ergibt sich eine weitere Dimension: Der Sog ihrer Sprache.
Mittels ihrer Sprachvirtuosität hebt sie uns auf ihre geistige Plattform und lässt uns Sprache als Instrument und Medium neu begreifen.
(etcetera)
Aus tiefstem Inneren
[Ich bin] beinhaltet drei Erzählungen, wie sie von vielen
jungen Menschen geschrieben sein könnten.
Streckenweise wirken die Geschichten wie Szenen
aus einem Tagebuch. Allerdings zeichnet
sich Flašars Prosa durch Sprachbegabtheit aus.
Diese gefällt, kann mitunter allerdings anstrengend
werden. Shootingstar Flasar zeichnet sich
jedoch durch literarischen Spürsinn aus und
macht Appetit auf mehr. Immerhin hat ihr Verlag,
Residenz in St. Pölten, bislang immer wieder ein
Näschen für Literaturhoffnungen bewiesen, die
zu Großem fähig sind (Beispiel: Michael Stavaric,
aktueller Roman: „Magma“).
(Oberösterreichs Neue)
Abschied von den Wurzeln
Vieles, was man in diesem Buch liest, gebärdet sich wie die Notate aus dem Tagebuch einer
langsamen Erlösung. Erstaunlich dabei ist, dass sich die Autorin dann doch noch
freizuschreiben scheint und gegen Schluss hin das zeigt, was auch in ihr stecken könnte. Das
letzte dieser drei Prosastücke ist konzentrierter und verdichteter als die anderen Texte. Der
Abschied von der Kindheit, von Jugendfreund und Familie, von dem, was die Wurzeln
ausmachen, wird hier stimmig und leichtfüßig geschildert. Das Aufbrechen ins Neue und
Unbekannte mündet in eine Reise ins Offene. Vieles bleibt in der Andeutung. Auf diese
Weise entsteht ein spannender, sprachlich und dramaturgisch fein gebauter Text, der ein
Versprechen bereithält. Splitter voller feiner Poesie, Flaschenpost von einer Autorin, die man
von dieser Seite doch noch besser kennen lernen möchte.
(Ö1 Ex libris)